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Tankstelle des katholischen Glaubens für 15- bis 35-Jährige

450 junge Leute am Deutschschweizer Weltjugendtag in Disentis

Von Walter Müller / Kipa 

Disentis GR, 14.9.03 (Kipa) Der "Weltjugendtag”, 1984 von Papst Johannes Paul II. lanciert, hat nun auch in der Deutschschweiz feste Wurzeln gefasst: Am Wochenende trafen sich 450 katholische Jugendliche in der Benediktinerabtei Disentis, Kanton Graubünden. Begleitet von Bischöfen, Priestern, Ordensleuten und Laientheologen begingen sie den 18. Weltjugendtag 2003 mitten in den Bündner Alpen mit Konzerten, Vorträgen, Andachten und einer Eucharistiefeier.

Empfang der TeilnehmerDem jungen Publikum zwischen 15 Jahre und 35 Jahren wurde so etwas wie eine Tankstelle des katholischen Glaubens geboten – und das Angebot wurde auch genutzt. Der Weltjugendtag wolle "ein selbstverständliches Miteinander von weltlichem Alltag und religiösem Feierabend, Himmel und Erde, unbeschwerter Fröhlichkeit und stiller Anbetung, herzlicher Begegnung mit anderen Jugendlichen und ebenso herzlicher Begegnung mit Jesus" ermöglichen, betonten die Organisatoren – ein Team von jungen Erwachsenen mit Jugendbischof Denis Theurillat.

Musik-Festival im Theatersaal der Klosterschule in Disentis mit MaConGaDas Nebeneinander von Fröhlichkeit und religiösem Ernst wurde denn auch zum Markenzeichen dieses Treffens, das am Samstag nachmittag mit einer Art Musikfestival eröffnet wurde. Neben dem Bündner Oberländer Trio "MaConGa" traten im Theatersaal der Klosterschule auch eine Luzerner Gruppe namens "Irish Coffee" mit rockig-popigem Irish Folk auf. Zudem führte die Gemeinschaft der Seligpreisungen Volkstänze auf.

Vigil in der Klosterkirche

Vigil in der KlosterkircheFür das improvisierte Abendessen auf dem Schulhausplatz waren die Dominikanerinnen aus Cazis GR besorgt. Dann begann der "ernste" Teil. In einer "Vigil", einer "Nachtwache", wurden die Teilnehmer und Teilnehmerinnen – ihre Zahl hielt sich in etwa die Waage – in das von Papst Johannes Paul II. gewählte Thema des Jugendtages eingeführt: "Siehe, deine Mutter!" Es sind die Worte, mit denen Christus, bevor er am Kreuz stirbt, dem Apostel Johannes seine Mutter, Maria, anvertraut.

VigilIn der einzig von Kerzen beleuchteten barocken Kirche folgten neu vertonte Psalmen und Hymnen auf Lesungen und Fürbitten. Die Französin Joe Croissan, Mitgründerin der Gemeinschaft der Seligpreisungen, und der junge Martin Niederer, Schweizer Mitglied der Fokolar-Bewegung, der gerade seine Matura-Prüfung hinter sich gebracht hatte, teilten ihre Glaubenserlebnisse mit den Anwesenden.

Die Gebetsnacht fand ihren Abschluss in einer Anbetungsstunde, während der Gelegenheit zur Beichte bestand. Die Jugendlichen machten so eifrig von diesem Angebot Gebrauch, dass die Zahl der Beichtväter von anfänglich fünf auf elf aufgestockt werden musste. 

Katechese durch Bischöfe und Äbte

Bischof Kurt Koch vom Bistum Basel hält eine Katechese.Nach dem Morgenlob in der Kirche und dem Frühstück auf dem Schulhausplatz begaben sich die jungen Leute zum "Pièce de Résistance" des Treffens, der Katechese. Die Glaubensunterweisung erfolgte durch vier hochrangige Geistliche: den Basler Diözesanbischof Kurt Koch, den Basler Weihbischof Denis Theurillat, den Disentiser Abt Daniel Schönbächler und Abt Marian Eleganti, Vorsteher der Benediktinerabtei im st. gallischen Uznach. Den Vorsitz beim anschliessenden Schlussgottesdienst übernahm Bischof Koch, die Predigt hielt Abt Schönbächler.


Koch: "Feindselige Haltung gegen Christentum"

Bischof Koch führte in seiner Katechese aus, dass die Kirche nicht nur unter dem Kreuz entstanden ist, sondern "immer Kirche unter dem Kreuz ist". Der Bischof: "Gott weist uns gerade heute diesen Ort unter dem Kreuz unerbittlich zu." So sei "in unseren säkularisierten Ländern" Europas "eine feindselige Haltung gegen das Christentum vor allem in bestimmten Medien mit Händen zu greifen". In der öffentlichen Meinung werde nicht selten die Behauptung vertreten, das Christentum und speziell die römisch-katholische Kirche seien an beinahe allen Übeln der Menschheit schuld. Koch zu den Jugendlichen: "Wir Christen werden immer häufiger als Fremdkörper und Störenfriede in einer neuheidnischen Gesellschaft empfunden, wenn wir deren Konsense nicht mitzutragen bereit sind." 

Kreuz hat viele Namen

Katechese mit Abt Marian aus UznachIn dieser schwierig gewordenen Situation gelte es, "wie Maria und mit Maria unter dem Kreuz zu stehen und dabei in neuer Weise zu lernen, zum Kreuz zu stehen", sagte Bischof Koch. Dieses Kreuz könne verschiedene Namen tragen: Es könne eine schwere Krankheit sein. Es könne auch der Schmerz junger Menschen sein, die in ihrer Suche nach dem Glauben von ihren Kollegen nicht ernst genommen, sondern belächelt würden. Zudem: "Das Kreuz kann öffentliche Blamage für den heissen, der sich im Namen des Evangeliums für mehr Gerechtigkeit unter den Menschen und Völkern und für die Achtung der Würde des menschlichen Lebens von seinem Anfang bis zu seinem natürlichen Ende einsetzt."

Das Kreuz enthalte indes eindeutig eine Botschaft von Gottes Liebe und Rettung, erinnerte Koch. Auch die verlassensten Menschen dürften darauf hoffen, "dass Gott auch bei ihnen selbst in der Erfahrung seiner Abwesenheit noch anwesend sein will". Er betonte die Wichtigkeit des Gebets. 

SchlussgottesdienstWie man auf Wanderungen immer wieder Rasthalte brauche, um sich in der Landschaft neu zu orientieren, "so brauchen wir auch auf dem christlichen Lebensweg immer wieder das Gebet als Ort der Ruhe und Besinnung, um uns vor Gottes Angesicht neu zu orientieren und den Sinn unseres Lebens neu zu finden". Das tägliche Gebet sei gleichsam der Kompass, "mit dem wir uns auf der Landkarte unseres Lebens zurechtfinden können". Maria selbst wolle dazu ermutigen, die persönliche Beziehung mit Christus im Gebet jeden Tag zu pflegen.

Das Treffen in Disentis wurde im Auftrag der Schweizer Bischofskonferenz von einem Vorbereitungsteam von jungen Erwachsenen um Jugendbischof Denis Theurillat durchgeführt. In der Arbeitsgemeinschaft sind neben den Bischöfen Pfarreien, Orden und Bewegungen vertreten. Präsident der Arbeitsgemeinschaft ist der Student David Fischer, der der Schönstätter Bewegung nahesteht. 


© KIPA, Walter Müller